Kos 2018- Tag 2

Vier Freunde entdecken die Küste

Der nächste Tag begrüßte uns mit viel Sonnenschein und keinem Wind. Yvonne und Bianca holten uns zum Frühstück ab, wir baten sie herein und sie setzten sich auf’s Bett. Bianca war so wie wir sie kennen, sie brabbelte und brabbelte in einer Tonhöhe bei der man Angst haben musste, dass die Fledermäuse gegen unsere Balkontür fliegen. Gott sei Dank war es morgens und die kleinen Tiere schliefen hoffentlich tief und fest. Ich schloss vorsichtshalber die Balkontür- man weiß ja nie. Was Bianca an Worten verbrauchte, machte mein Schweigen mehr als wett. Ich rede nicht so gern, so viel mitten in der Nacht. Es war 08:15 Uhr. Bianca ist eine richtige Frohnatur, deren lachen ansteckend, ehrlich und vor allem schallend ist. Nachdem ich ihr einen ernsten Blick alla „jetzt quatsch doch nicht so viel“ schenkte, fiel ihr wieder ein, dass man mich ja durchaus als einen Morgenmuffel bezeichnen könnte. Das war ihr erster Super GAU an diesem Tag, sie fing schallend an zu lachen und entschuldigte sich. Ich schüttelte nur den Kopf und mit jedem lachen mehr, fingen Yvonne Kai und ich an mitzulachen. Die Stimmung stieg, auch meine. Es endete damit, dass wir uns die Bäuche (jeder seinen eigenen 😀 ) hielten. So kann ein Tag doch beginnen und wir gingen zum Frühstück. Die Sonne strahlte mit uns um die Wette, wir frühstückten und gackerten weiter rum. Nach dem Frühstück gingen wir zurück auf unser Zimmer und machten uns strandfertig. Mit Handtüchern, einem Buch und ordentlich Sonnencreme machten wir uns mit unseren nordeuropäischen Körpern auf den Weg zum Wasser. Es passierte nicht wirklich viel am Strand, das übliche eben, Wasser- entspannen- Wasser- entspannen und so weiter. Weit und breit waren nur eine handvoll Gäste zu sehen. Wir fragten jemanden vom Animationsteam warum denn hier so wenig los sei. Zur Antwort bekamen wir:“ Das Hotel hat erst wieder seit 3 Tagen geöffnet und wir wären einer der ersten Gäste in dieser Saison.“. Das beeindruckte uns irgendwie, die Hotelanlage war ziemlich groß- wie ein kleines Dorf. Wenn abends beim essen die Gäste zusammenkamen verlief es sich auch dann, nur war uns das noch nicht aufgefallen. Jetzt wo man so darüber nachdenkt war es natürlich alles logisch. Es war Ende April, in Griechenland wird es im Winter auch kalt. Manchmal ist man einfach etwas zu naiv.

Das kristallklare kühle Wasser lädt zum reinspringen ein

Wir bestellten uns etwas zu trinken, es ging schließlich stramm auf die Mittagszeit zu, und machten uns einen Plan für den heutigen Nachmittag. Kai und Bianca hatten die großartige Idee etwas spazieren zu gehen um die Gegend etwas mehr zu erkunden. Yvonne und ich blickten uns unwillkürlich an, Bianca sah dies und fing wieder mit dem lachen an. „Ich merk schon, ihr habt da richtig bock drauf!“ sagte Bianca. Yvonne und ich grinsten, viel lieber würden wir hier am Strand bleiben und auf der faulen Haut liegen, aber man will ja auch etwas erleben. Zumal sich hinter unserem Hotel ein riesen Berg auftürmte und über die Insel blickte. Wir konnten vom Strand eine kleine blau-weiße Kapelle am Fuße des Berges sehen. Kai deutete auf sie (Ich konnte ein kleines teuflisches Grinsen auf seinem Gesicht erspähen, er stritt dies jedoch ab als ich ihn direkt darauf ansprach.) Also war das geklärt, das reichte den beiden jedoch nicht. Denn am Ende des Hotelstrandes gab es einen kleinen Weg, der direkt am Meer in den Nachbarort führte. Bianca und Kai schauten sich in die Augen und diesmal konnte man ein geradezu diabolisches Gesicht bei beiden entdecken. Wir entschloßen uns für das heutige Mittagessen nicht in das Hauptrestaurant zu gehen. Bianca und Kai waren für die Burgerbude (Bude ist nicht ganz treffend, da es sich tatsächlich um ein kleines Restaurant handelte). Yvonne und ich wollten lieber eine Pita essen. Da bereits die Wandertour auf das Konto von Kai und Bianca gingen konnten Yvonne und ich uns dieses mal durchsetzen.

Wir setzten uns rein und bestellten für jeden eine Pita mit Pommes und ordentlich Tzatziki. Es roch traumhaft, eine Mischung aus Fleisch, Pommesfett, Knoblauch, Meer und Sonnencreme. Wer diesen Geruch schon einmal wahrgenommen hat weiß, dass so Urlaub riecht. Wir waren mittlerweile überaus hungrig und konnten es kaum erwarten, diese griechischen Köstlichkeiten zu verhaften. Als erstes kamen die Fritten, wir griffen zu und steckten uns jeder 2-3 Pommes in den Mund. Sie schmeckten seltsam, ein bisschen wie frisch aufgetaut und unfrittiert auf den Teller geklatscht. Wir übergingen also die Pommes und warteten doch lieber auf unsere Pita. Unsere Getränke kamen, Yvonne hatte eine Cola, ich eine Sprite und Kai und Bianca ein Radler bestellt. Ich setzte das eiskalte Glas an meine Lippen und trank, auch hier war irgendetwas komisch, irgendwie schmeckte die Sprite wie abgestandes Staubwasser in das man eine Zitrone gelegt hatte- komisch, dachte ich. Auch das Gesicht von Yvonne veränderte sich. Ich fragte sie, ob irgendwas mit dem trinken nicht in Ordnung wäre und auch sie bemerkte, dass es komsich schmeckt. Ok, vielleicht waren ja auch einfach nur die Gläser nicht richtig ausgespült. Das Hotel war ja, wie wir jetzt wussten, noch nicht lange offen. Wir ließen unsere Getränke auch einfach stehen. Und dann kam sie- eine goldgelbe Schönheit mit einer weißen Crememütze, unser Objekt der Begierde, eine knusprig gebratene, im warmen Teigmantel gebettete Unverschämtheit. Wir vernicheteten unser Essen in Rekordzeit und tranken dann doch noch unsere „Muff-Getränke“ aus. Denn Pitas machen auch durstig, das hatten wir nun gelernt.

Am frühen Nachmittag bereiteten wir uns auf unsere anstehende Expedition vor. Das hieß vor allem Sonnenschutz! Wir verließen über den Haupteingang das Hotel und gingen in Richtung Berg. Bevor wir uns auf den beschwerlichen Weg zur Kapelle begaben, mussten Yvonne und ich ein paar Regeln aufstellen. Diese Regeln stellten wir eigentlich nur für Bianca auf. Nicht das sie jemand wäre die nach Motto lebt „No risk, no fun“, aber unsere Bianca ist beim Spazierengehen eher unbeschwert. Am besten lässt sich das so beschreiben:
Sieht Bianca einen Schmetterling läuft sie ihm solange nach bis sie ein gutes Foto von ihm gemacht hat. Die Mühe lohnt sich meistens, da die Bilder die sie macht sehr schön werden. Aber es kann sein, dass sie sich dabei unbeabsichtigt in Gefahr bringt indem sie bspw. auf Privatgrundstücke geht, ohne das es ihr auffällt. Also wie gesagt, sie ist da völlig unbeschwert. Das führt natürlich unweigerlich zu witzigen kleinen Anekdoten.
Unsere Regeln lauteten:
-> Es wird nichts angefasst, was wir nicht kennen
-> Wir streicheln keine Fremden Tiere
-> Wir betreten keine Privatgrundstücke
-> Wir klettern auf keine Felsvorsprünge
&
-> Wir gehen in keine Bunkeranlagen die wir nicht kennen

Bianca war mit den Regeln einverstanden, lachte mal wieder herzergreifend auf und wir begannen den Aufstieg. Der Planet brannte und der trockene Schotterboden wirft mit jedem Schritt kleine Staubwolken auf. Der Weg ging steil bergauf und wollte einfach nicht enden. Wir liefen und liefen und die kleine Kapelle wurde einfach nicht größer. Erste Mangelerscheinungen machten sich breit, meine Füße schmerzten, ich hatte kleine Steinchen im Schuh und die Suppe lief mir den Rücken runter. „Wie lange brauchen wir denn noch?“ fragte ich. Kai drehte sich um und sagte mir, dass wir erst 10 Minuten unterwegs seien und ich mit dem jammern aufhören solle (das sagte Bianca übrigens auch mehrfach, was zu Gelächter bei Yvonne führte). Ich fand das alles zwar ganz und garnicht lustig, aber gut. Wer den Schaden hat…..
Alle paar Schritte blieben wir stehen weil Bianca und Kai ein neues supermegatolles Motiv zum fotografieren entdeckt hatten. Man muss dazu sagen, dass dem auch fast immer so war. Wir gingen durch verwilderte Olivenhaine und an freilaufenden Ziegen vorbei, die Sonne zog über uns hinweg und wir fingen an, den Moment zu schätzen und auch zu genießen. Wir setzten uns auf einen großen staubigen Findling und genossen die Aussicht auf’s Meer. Dieser Moment war perfekt und das wussten wir. Wir beschlossen diesen Moment für uns festzuhalten und machten ein Selfie. Yvonne ist bei solchen Wanderungen immer gut vorbereitet, sie holte eine Flasche Wasser raus, nahm einen großen Schluck und hielt die Flasche in die Runde. Zwei Minuten später kamen wir an die kleine, typisch griechische Kapelle. Von weitem sah sie winzig aus und als wir davor standen war sie auch nicht wesentlich größer, aber das machte nichts. Wie heißt es so schön; „Der Weg ist das Ziel.“. Dieser schlaue Satz passte heute ganz besonders gut. Wir hatten das Gefühl endlich in Griechenland angekommen zu sein. Wilde Olivenhaine an einem Berghang, kleine Alraunen die am Wegesrand vor sicht hin trockneten und diese kleine Kapelle, die über das ganze einen schützenden Blick warf. Wie schön es hier im Abendrot sein musste, wenn alles in sanften orange- und rottönen lag. Wir mussten hier unbedingt nochmal hoch wenn die Sonne unterging. Aber für diesen Moment waren wir hier fertig und entschieden uns die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.

Wir standen nun am Fuß der Straße. Sie führte parallel zur Küste direkt in den Nachbarort Kardamena. Wir gingen an dem Wachmann in seinem kleinen Holzverschlag vorbei, der die Hotelanlage vor unbefugten betreten schützte und grüßten ihn freundlich. Strammen Schrittes ging es also los. Zu unserer rechten baute sich das Kos’sche Gebirge und diverse Blumenfelder auf, die ihren süßen Duft in die Landschaft trugen und auf der linken Seite lag das Mittelmeer in seiner vollen Schönheit. Für mich war das ein perfekter Tag. Yvonne hatte die Idee nebenbei zu cachen und wurde auch prompt fündig. Direkt in der Nähe sollte sich ein Cache verstecken, also fingen wir mit dem suchen an und wir brachen unweigerlich eine unserer selbst aufgestellten Regeln. Wir haben ein verlassenes Bargrundstück betreten. Man muss fairerweise dazu sagen, dass das beim cachen leider nicht immer zu vermeiden ist. Natürlich passten Yvonne und ich auf, dass sich dabei niemand in Gefahr bringt (Mit „niemand“ meinen wir natürlich Bianca.) Diesen doofen Cache fanden wir natürlich auch nicht. Na gut- also laufen wir weiter.

Nachdem wir ca. 20 Minuten gelaufen waren, sahen wir kleine Steinplateaus im Meer und wir dachten, da müssen wir drauf. Yvonne und ich dachten kurz über unsere aufgestellten Regeln nach und kamen zu dem Entschluss, dass Steinplateaus keine Felsvorsprünge sind. 😉 Zusätzlich sahen diese auch noch wunderschön aus und wir suchten nach geeigneten Fotomotiven für Bianca und Kai.

Und weiter geht’s. Wir haben noch eine ordentliche Strecke vor uns und wir wollten bevor es dunkel wird wieder im Hotel sein. Wir gingen also weiter und kamen an immer mehr verlassenen Hotelanlagen vorbei. Von einfachen B’n’B’s bis hin zu großen und vermutlich einmal sehr teuer gewesenen Anlagen. Es waren kleine Geisterstädte mit zum Teil eingeworfenen Fenstern und angegriffenen Mauerwerk. Jetzt spürte man die Krise, die die Griechen vor wenigen Jahren ereilte und die bis heute andauert. Wir bekamen so langsam wieder Durst, doch leider hatte Yvonne das Wasser im Hotel gelassen. Wir hatten ungefähr die Hälfte der Strecke hinter uns und es war weit und breit keine Kneipe in Sicht. (Zumindest keine die geöffnet hatte.) Also hieß es durchhalten. Wir gingen weiter und kamen an einem Blumenfeld vorbei. Wir gingen ein paar Schritte und als Yvonne plötzlich sagte:“Was machst du denn da?“ und find laut an zu lachen. (Yvonnes lachen ist übrigens genau so mitreißend und hochansteckend.) Wir mussten garnicht lange überlegen wer gemeint war. Wir drehten uns um und sahen eine Bianca bäuchlings im Staub liegen. Kai und mir war erst nicht klar, was sie da tat. Wir dachten erst, dass sie sich irgendwie verletzt hätte, aber dem war nicht so. Bianca hatte ein klitzekleines Blümchen entdeckt, deren Blüten wie ein blaues Herz aussahen. Wir stimmten in Yvonnes Gelächter mit ein und auch Bianca merkte nun, dass es wohl sehr ulkig ausgesehen haben muss, wie sich eine erwachsene Frau in den Dreck legt. Es war ein herrlicher Anblick!
Ich sag ja, unsere Bianca ist halt sehr unbeschwert. Nach ungefähr 30 Minuten kamen wir in Kardamena an und suchten nach Wasser wie die Kamele in der Wüste. Wir fanden einen kleinen „Tante Emma- Laden“ nur eben auf griechisch. Ein „Tante Alkmene-Laden“ wenn man so will.

Auf der Suche nach Wasser…

Wir griffen in die Kühlbox und holten uns ein paar Dosen Sprite heraus, bezahlten diese und setzten uns auf den Bordstein. Es war eine Wohltat und die Tatsach eine so „lange“ Wanderung geschafft zu haben gab uns ein gutes Gefühl. Wir machten uns bald wieder auf den Rückweg, denn die Sonne bewegte sich langsam Richtung Bergspitze, das hieß: es wird bald dunkel. Wir brachen also auf. Der Rückweg ging wesentlich schneller, den wir hielten nicht mehr dauernd an um kleine Blümchen zu fotografieren. Auf dem Weg zurück fielen uns kleine schwarz-graue Fusseln mit langen Fäden auf, die in Scharen über den Weg gepustet wurden. Doch plötzlich viel uns auf, dass diese Fussel an kleinen toten Tieren halt machten und diese scheinbar genüsslich verspeisten. OH GOTT! Das waren Spinnen. Innerlich eskalierte ich, nach außen blieb ich natürlich cool. 8-D
Ich versuchte ihnen einfach aus dem Weg zu gehen, nur leider wollten sie mir nicht aus dem Weg gehen. Es schien als stellten sie sich mir absichtlich in den Weg. Wie eine kleine Blockade mit vielen Beinen. Also begann ich über sie zu hüpfen, wenn sie einfach vor mir stehen stehen blieben.

Das war eines der kleineren Exemplare, an das ich mich schnell herangetraut hatte, bevor es mich fressen konnten.

Als wir wieder im Hotel ankamen, begrüßte uns der Sicherheitsmann und fragte, ob wir einen schönen Ausflug hatten. Wir bejahten dies und gingen in unsere Zimmer zurück. Wir waren fix und fertig. Als wir uns etwas frisch gemacht hatten, setzten wir uns alle auf unseren Balkon und begutachteten die Beute. Ich fragte Bianca was welche Bilder sie behalten wollte und wir kamen unweigerlich zu dem Thema „Bildbearbeitung“. Bianca ist der Meinung, dass man auch ein „schlechtes“ Bild retten kann. Ich fragte sie daraufhin wie das gehe. Zur Antwort bekam ich: „Zur Not geht immer schwarz-weiß, das rettet fast jedes Bild und macht es besonders.“. Ich musste lachen. Wir beendeten den Tag mit einem, wie immer sehr leckeren Abendessen und gingen danach noch an eine der vielen Bars und bestellten uns ein paar Drinks bis wir dann spät am abend todmüde in Bett gefallen sind.

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Veröffentlicht von Matze von Travelingguys

Skipper, Blogautor, Lebensgefährte, bester Freund, Ratgeber & Tattoo-Liebhaber

5 Kommentare zu „Kos 2018- Tag 2

    1. Hallo Ihr Lieben ! Ich finde die Idee richtig super und es ist echt gut geschrieben ob man voll mit dabei ist. Ich musste so viel schmunzeln😊 . Blumen Bilder gerne gesehen wie Sie es Fotografiert hat😊. Kai Du kleiner Paparazzo !😁 Jetzt freue ich mich auf London habt ja schon einiges gesehen das wird voll hier! Liebe Grüße aus Eisenach

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      1. Hallo Kathrin!
        Danke, dass Du dir die Zeit genommen hast, unseren Blog mal anzuschauen. Über Dein Lob freuen wir uns sehr. Gerne darfst du dich auch für unseren Newsletter anmelden und du verpasst keine neuen Beiträge mehr von uns.
        sonnige Grüße,
        Matze von Travelingguys

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