Auf nach Nisyros! Es ist 06:00 Uhr als ich die Augen auf machte. Kai wuselte schon durchs Zimmer und packte den Rucksack und auf dem Balkon konnte ich hektisches Gemurmel hören. Eindeutig Bianca! Sie wird wahrscheinlich wieder seit 04:30 Uhr wach gewesen sein. Ich ging wie ferngesteuert nach draußen und schaute auf’s Meer. Das ist für mich immer einer der besonderen Momente im Urlaub und diese sollte man zu schätzen wissen. Wenn einem das Lied der See direkt in’s Ohr flüstert und man mit einem frischen Kaffee den Tag beginnen darf. Da klopfte es auch schon an der Tür und Bianca und Yvonne standen davor. Kai und ich zogen die Schuhe an und wir gingen zusammen zum Hauptrestaurant und holten unsere Lunchpakete. (Die hatten wir beim Abendessen bestellt.) Am Haupteingang des Hotels angekommen warteten wir dort auf den Bus der uns abholen sollte. Die Abholung mit dem Bus verlief problemlos und wir trafen pünktlich um 08:00 Uhr auf unseren Reiseführer Georgus. Die Sonne schien und es war ziemlich kühl, ich bereute es, nichts langärmeliges mitgenommen zu haben. Die Überfahrt nach Nisyros würde ca. eine Stunde dauern. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen im Schatten und entschieden uns dazu nach oben zu gehen. Wir hatten eine tolle Aussicht. Das Schiff nahm Fahrt auf und wir verließen den Hafen.

Wir lehnten uns zurück und genossen die Überfahrt, während sich die anderen hektisch und aufgeregt über den bevorstehenden Ausflug unterhielten. Unter anderem ein Glatzköpfiger Witzbold, der meinte alle in seinem Umkreis in sein Gespräch mit zu involvieren. Da war er bei mir ja genau richtig. Ich signalisierte ihm, dass sein lautes Gelaber störte und er schien zu verstehen. Er ging an die Reling und machte sich eine Zigarette an. Als er aufgeraucht hatte nahm er die Zigarette waagerecht zwischen Daumen und Mittelfinger und schnippste sie ins Meer. Jetzt stand für mich fest, den kann ich nicht leiden. Gott sei Dank hatte das Bianca nicht mitbekommen. Aufgrund ihrer Erzieherausbildung hätte es wahrscheinlich einen Vortrag über Normen und Werte gegeben der sich gewaschen hätte. Ich hatte auch die Befürchtung, dass Bianca ihn soweit bekommen hätte, dass er einfach hinter her springt und den „Stummel“ wieder raus holt. Ich musste schmunzeln, denn wenn mein Kopfkino erstmal warm läuft, dann lässt es sich durch fast nichts aufhalten.

Das Schiff legte pünktlich im Hafen an und wir wurden aufgefordert an Land zu gehen um nach unserem Bus, der uns hoch zum Vulkan bringt, Ausschau zu halten. Als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten suchten wir nach unserem Bus. Innerlich betete ich, dass es kein umgebauter Sprinter mit Klappstühlen war. Als ich auf den Berg hinauf sah den wir gleich mit dem Gefährt erklimmen wollen wird mir übel. Straßen waren keine zu sehen und es ging wirklich ziemlich weit hoch. Bei Busfahrten auf solchen Wegen ist mit mir nichts mehr anzufangen. Ich fange sofort an zu schwitzen und bekomme Puls und Blutdruck. Es müssen auch nicht zwangsweise Busse sein, auch bei Autofahrten auf solchen Wegen geht mir der Stift. Kai sah mich, wie ich den Berg anstarre und klopft mir von hinten auf die Schulter. „Komm mein Engelchen, der Bus wartet.“ Ich fing mich wieder und dann sah ich den Bus. Es war ein voll ausgestatteter Reisebus. Uns allen war es ein Rätsel wie der da hochkommen soll. Ich wurde immer ruhiger und wusste nicht wohin mit meinen Händen. Ich musste noch eine Rauchen. Die drei hatten sich schon rein gesetzt und ich stand mit Georgus draußen. Ein wirklich sehr netter, älterer Herr der dialektfrei deutsch sprach. Ich setzte mich rein und wartete auf mein Ende.
An der ersten Steigung angekommen schloss ich einfach die Augen. Ich hörte wie der Busmotor aufjaulte und wir immer langsamer wurden. Ich verkrampfte meine Hände immer mehr, Kai fragte mich ob es mir möglich wäre ihm vlt. nicht den Oberschenkel zu brechen. Für solche Witze hatte ich im Moment keine Zeit, doch ich lockerte trotzdem meinen Griff und versuchte mich zusammenzureißen. Ich öffnete meine Augen und schaute durch den Gang nach vorne. Die Straße vor mir war maximal 4 Meter breit und zweispurig. Wenn uns jetzt ein Bus entgegenkommt, dann war es das! Während unserer Fahrt zum Vulkankrater schnatterte Georgus fröhlich durch sein Mikrofon interessante Fakten über die Insel und den Vulkan. Bei der hälfte des Weges machten wir einen kleinen Halt an einer Stelle von der aus man einen wunderschönen Blick auf den Vulkan hat. Schnell ein Foto und weiter gings.

Als wir wieder alle im Bus saßen ging es wieder bergab in Richtung Krater. Jetzt war ich schon etwas entspannter, da es direkt neben uns nicht mehr so tief runter ging. Georgus erzählte uns, dass nach griechischer Mythologie der Meeresgott Poseidon während der Gigantomachie die Insel Nisyros aus dem Meer hob und sie auf den Giganten Polybotes warf. Dort liegt er bis heute vergraben und man kann ihn manchmal noch schreien und toben hören. Die Insel wird am Tag von bis zu 300 Erdbeben erschüttert. Der Großteil davon ist jedoch nicht spürbar. Der Bus rollte durch den schneeweißen Staub auf einen Parkplatz und wir stiegen aus. Mittlerweile mussten es 35°C gewesen sein. Ein beißend stechender Geruch stieg uns in die Nasen und wir wussten, das muss vom Schwefel kommen. Bevor wir uns auf den Weg runter in den eigentlich Krater machen konnten, gab es noch eine Sicherheitseinweisung. Bianca war anderweitig beschäftigt. Hoffentlich lag sie nicht schon wieder irgendwo auf dem Bauch. Ich sah mich um und hörte Bianca eine Katze anquietschen: „Hallo! Na wer bist denn du? Kann man dich streicheln?“. Die Katze guckte komisch, stand auf und entfernte sich. Ich schnappte Bianca und nahm sie mit zur Einweisung. Sie hatte gerade Luft geholt und wollte protestieren. Ich kam ihr aber zuvor: „Sicherheitseinweisung, du weißt wieso.“. Das nahm sie stillschweigend und grinsend hin. Und auf ging es:
Es war brütend heiß, von oben brannte die Sonne und von unten Polybotes und wenn man in der Nähe der vielen kleinen Löcher stand konnt man unten die Lava wie kochenden Schlamm gluckern hören. Überall dampfte und zischte es und der Schwefel zog seine gelb-glitzernden Straßen durch’s Gestein.
Die Fahrt zurück in das Fischerdorf war für mich wesentlich entspannter, was aber nicht hieß, dass ich nicht trotzdem schiss wie Sau hatte. Man hatte einen wunderschönen Ausblick über die gesamte Küste.
Es geht Richtung Mittag und der Magen beginnt zu knurren. Georgus teilte uns die restlichen Tagesziele mit und da kam das Mittagessen nicht an erster Stelle. Als Biancas Laune zu kippen drohte hielt ihr Yvonne die prall gefüllten Lunchpakete hin. Unsere Yvonne hat einfach ein perfektes Timing, denn wir alle hatten bereits einen ordentlichen Appetit und fielen über die geschmierten Brote her. Es waren Käsesandwiches, ein paar Kekse und ein Apfel für jeden. Das kleine Problem daran war, dass Bianca keinen Käse mochte und ich keine Oliven (das war auf jedem der Brote natürlich massenhaft drauf). Da wir ja wissen, was passiert wenn man Biancas essen irgendwas nicht stimmt, zählte nun jede Sekunde. Wir hielten Ausschau nach einer Eisdiele und wurden auch schnell fündig. Puh, noch mal gut gegangen. Es war zwar mittlerweile etwas kühler, aber es war immernoch unnormal heiß. Wir fragten unseren Georgus wann wir denn mal eine Pause im Schatten machen könnten. Er sagte mir, warte ab, gleich schwitzt ihr nicht mehr. Wir gingen also weiter die Promenade in der prallen Sonne entlang und kamen nun ins Dorf hinein.

Diese typischen kleinen engen Gassen mit den blau weißen Häusern zu betreten war, als würde man durch eine Luftdusche gehen. Eben steht man noch bei 35°C im eigenen Saft und plötzlich angenehm kühle 25°C und eine leichte Brise. Georgus erkärte uns, dass das an der Bauweise des Dorfes liegt und das das typisch ist für griechische Dörfer. Einige Zeit später kamen wir am Rathaus Platz vorbei, der kunstvoll mit vielen kleinen Steinchen in die Erde gelassen war.
Als wir nach einer 15 minütigen Wanderung an einem großen schattigen Platz ankamen wussten wir, dass wir hier bleiben wollen. Der Platz war umringt von verschiedenen Lokalen und im Zentrum stand ein riesiger uralter Olivenbaum. Wir dachten uns, das muss das wirkliche traditionelle Griechenland sein und Georgus bestätigte dies uns sagte, dass dies ein absoluter Geheimtipp sei. In der Tat war die Touristendichte hier erheblich niedriger als noch auf dem Vulkan. Bis auf unsere Gruppe war niemand zu sehen. Wir suchten uns ein Lokal aus und setzten uns rein.

Ordentlich gestärkt ging es weiter. Wir schauten uns noch die Orthodoxe Kirche und die Johanniterburg an. Ich bin ja, was Ritterorden angeht etwas vorgeschädigt und hatte etwas Nachholbedarf. Meine Kollegen mit denen ich den Ausbildungskurs gemacht habe, wissen was ich meine. Wir kletterten also die gefühlt 10.000 Stufen zur Burg hinauf und ließen noch einmal eine umwerfende Aussicht auf uns wirken. Dabei entstand das Bild welches für mich eigentlich diesen Urlaub am besten beschreibt. Es handelt sich um das Titelbild für unsere Kos-Reise und wurde von Bianca gemacht. Jedes Mal wenn ich dieses Bild sehe bekomme ich sofort Flashbacks und bin wieder bei 30°C auf der Spitze der Burg und schaue über die Ägäis.
In der Abenddämmerung kamen wir in unserem Hotel wieder an, schlüpften nochmal schnell in unsere Badehosen und sprangen zum abkühlen in den Pool. Wir ließen den Tag entspannt ausklingen. Zum Abendbrot gingen wir gegen 20:00 Uhr und saßen noch bis spät in die Nacht in dern Bar und ließen uns den Tag noch einmal durch den Kopf gehen. Es war mal wieder ein perfekter Tag.










